Gründung der Deutschen Sebald-Gesellschaft

2019 hat sich in Kempten im Allgäu die Deutsche Sebald-Gesellschaft e.V. gegründet. Der Zweck dieser Initiative besteht darin, das Werk von W. G. Sebald vor allem für eine neue und junge Leserschaft zu erschließen und die Rezeption seines Werkes – auch auf unkonventionelle Weise – zu befördern. Dem dient der Anreiz zur Beschäftigung und Publikation mittels eines regelmäßig durch den Verein zu vergebenden Preises, der die beste deutschsprachige literarische Arbeit zum Thema »Erinnerung und Gedächtnis« auszeichnen soll. Regelmäßige Veranstaltungen und Publikationen sollen die Literatur- und Forschungslandschaft zu W. G. Sebald neu anregen, bestehende Ergebnisse vermitteln und verbreiten.

»Rauken und das Allgäu«. Moderation einer Lesung mit Claire Beyer

am 3. April 2020, 19:30 Uhr, im Literaturhaus Allgäu, Immenstadt

Claire Beyer, 1947 in Blaichach/Allgäu geboren, lebt in Markgröningen bei Ludwigsburg. Sie hat ein Musical über Camille Claudel verfasst und Erzählungen, Kurzprosa und Gedichte in verschiedenen Anthologien sowie einen Band mit Lyrik veröffentlicht. Nach ihrem überaus erfolgreichen Prosadebüt »Rauken« (FVA 2000) erschienen der Erzählungsband »Rosenhain« sowie die Romane »Remis«, »Rohlinge« und zuletzt »Refugium«. – Nach einer Analyse ihres Werkes bei einer Sonthofer Tagung zur Allgäuer Literatur (November 2018) ist sie zum ersten Mal mit einer Autorinnenlesung zu Gast in ihrer ehemaligen Heimat.

Zum Buch
Deutschland zu Beginn der 50er Jahre: Das Mädchen Vroni, zu Beginn der Geschichte sechs Jahre alt, wächst in einer Großfamilie im Allgäu auf, die vom Großvater mit harter Hand regiert wird. Vroni ist den familiären Machtverhältnissen hilflos ausgeliefert. Insbesondere leidet sie unter den unkontrollierten Wutausbrüchen ihres Vaters, der als Kriegsversehrter eine vom Großvater ganz und gar abhängige Existenz führt. Niemand hat den Mut oder die Position, Vroni beizustehen, auch die Mutter nicht. Aber da gibt es Pierre, den Sohn der jüdischen Fabrikantenfamilie im Dorf, die nach Kriegsende aus dem Osten kam, um die geerbte Fabrik zu übernehmen. Pierre spielt Klavier wie Mozart, er »ist« Mozart, ihr Held, der ihr mit seiner Kunst eine Gegenwelt zu den bedrückenden und grausamen Verhältnissen in ihrem Zuhause eröffnet. Mit diesem Jungen, körperlich ein Krüppel, zu dem ihr der Kontakt strengstens untersagt ist, verbindet sie eine zärtliche Freundschaft. Doch als durch Intrigen der Dorfbewohner der Konkurs der Fabrik herbeigeführt und Pierres Familie vertrieben wird, bricht für Vroni eine Welt zusammen. (Frankfurter Verlagsanstalt)

Gespräch mit Peter Braun über sein Buch »Ilse Schneider-Lengyel: Fotografin, Ethnologin, Dichterin. Ein Porträt«

am 17. April 2020, 19:30 Uhr, in der Stadtbibliothek Füssen

Im September 1947 trafen sich am Bannwaldsee bei Füssen junge Schriftsteller und Publizisten, die schnell als „Gruppe 47“ bekannt wurden. Ilse Schneider-Lengyel stellte dafür ihr Haus zur Verfügung. Ihre künstlerischen Arbeiten jedoch, die sie auf dem Treffen zur Diskussion stellte, wurden zu Unrecht verschwiegen. Denn Ilse Schneider-Lengyel gehörte zu jenen Frauen, die in den 1920er Jahren in die Moderne aufgebrochen waren: Sie erlernte die Fotografie, studierte Ethnologie und Kunstgeschichte, verkehrte in den Kreisen des Bauhauses und veröffentlichte 1934 ihren ersten Bildband über die Maskenkunst indigener Kulturen.

Im Pariser Exil begann sie unter dem Einfluss der abstrakten Malerei und des Surrealismus auch literarisch zu schreiben. Trotz guter Verbindungen zur „Gruppe 47“, zu der sie bis Anfang der 1960er Jahre Kontakt hielt, konnte sie jedoch einen Großteil ihrer Texte nicht veröffentlichen.

Auf Grundlage des erst spät entdeckten Nachlasses zeichnet Peter Braun ein Porträt der Künstlerin und ihres aufregenden, noch zu entdeckenden Werkes. Mit Hilfe einer Vielzahl von Dokumenten und Quellen erzählt er ihre verschiedenen Lebensstationen und erschließt die unterschiedlichen Kunstströmungen, in denen sich Ilse Schneider-Lengyel bewegte.

Dr. Peter Braun ist Germanist und Medienwissenschaftler und leitet das Schreibzentrum an der Friedrich-Schiller-Universität, Jena. Er studierte deutsche Literaturwissenschaft, Ethnologie und Kunstgeschichte in Hamburg.

Moderiert wird das literarische Gespräch von Kay Wolfinger.

Zum Veranstaltungsflyer der Stadtbibliothek Füssen.