Gründung der Deutschen Sebald-Gesellschaft

2019 hat sich in Kempten im Allgäu die Deutsche Sebald-Gesellschaft e.V. gegründet. Der Zweck dieser Initiative besteht darin, das Werk von W. G. Sebald vor allem für eine neue und junge Leserschaft zu erschließen und die Rezeption seines Werkes – auch auf unkonventionelle Weise – zu befördern. Dem dient der Anreiz zur Beschäftigung und Publikation mittels eines regelmäßig durch den Verein zu vergebenden Preises, der die beste deutschsprachige literarische Arbeit zum Thema »Erinnerung und Gedächtnis« auszeichnen soll. Regelmäßige Veranstaltungen und Publikationen sollen die Literatur- und Forschungslandschaft zu W. G. Sebald neu anregen, bestehende Ergebnisse vermitteln und verbreiten.

Workshop »Verborgenheit und Sichtbarkeit. Die Figur des Geistersehers in der Kulturtheorie«

am 23. März 2020 am Center for Advanced Studies der LMU München

Wie lassen sich Texte durch den binären Code von Verborgenheit und Sichtbarkeit lesbar machen? Dieser Frage, mit der implizit auch der Kontext von Interpretierbarkeit und Opazität des Textsinns verbunden ist, wird der Workshop auf Basis einer gemeinsamen Textauswahl nachgehen. Konkreter gefasst wenden wir uns der theoretischen Figur des »Geistersehers« zu, an dessen Existenz genau solche (Un)Sichtbarkeitszustände reflektiert werden.

Participants among others: Prof. Dr. Stefan Andriopoulos (Columbia University), Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel (Universität Augsburg)

»Rauken und das Allgäu«. Moderation einer Lesung mit Claire Beyer

am 3. April 2020, 19:30 Uhr, im Literaturhaus Allgäu, Immenstadt

Claire Beyer, 1947 in Blaichach/Allgäu geboren, lebt in Markgröningen bei Ludwigsburg. Sie hat ein Musical über Camille Claudel verfasst und Erzählungen, Kurzprosa und Gedichte in verschiedenen Anthologien sowie einen Band mit Lyrik veröffentlicht. Nach ihrem überaus erfolgreichen Prosadebüt »Rauken« (FVA 2000) erschienen der Erzählungsband »Rosenhain« sowie die Romane »Remis«, »Rohlinge« und zuletzt »Refugium«. – Nach einer Analyse ihres Werkes bei einer Sonthofer Tagung zur Allgäuer Literatur (November 2018) ist sie zum ersten Mal mit einer Autorinnenlesung zu Gast in ihrer ehemaligen Heimat.

Zum Buch
Deutschland zu Beginn der 50er Jahre: Das Mädchen Vroni, zu Beginn der Geschichte sechs Jahre alt, wächst in einer Großfamilie im Allgäu auf, die vom Großvater mit harter Hand regiert wird. Vroni ist den familiären Machtverhältnissen hilflos ausgeliefert. Insbesondere leidet sie unter den unkontrollierten Wutausbrüchen ihres Vaters, der als Kriegsversehrter eine vom Großvater ganz und gar abhängige Existenz führt. Niemand hat den Mut oder die Position, Vroni beizustehen, auch die Mutter nicht. Aber da gibt es Pierre, den Sohn der jüdischen Fabrikantenfamilie im Dorf, die nach Kriegsende aus dem Osten kam, um die geerbte Fabrik zu übernehmen. Pierre spielt Klavier wie Mozart, er »ist« Mozart, ihr Held, der ihr mit seiner Kunst eine Gegenwelt zu den bedrückenden und grausamen Verhältnissen in ihrem Zuhause eröffnet. Mit diesem Jungen, körperlich ein Krüppel, zu dem ihr der Kontakt strengstens untersagt ist, verbindet sie eine zärtliche Freundschaft. Doch als durch Intrigen der Dorfbewohner der Konkurs der Fabrik herbeigeführt und Pierres Familie vertrieben wird, bricht für Vroni eine Welt zusammen. (Frankfurter Verlagsanstalt)