Lehrveranstaltung an der Universität Basel im Frühjahrssemester 2026
Forschungsseminar: Landscape Writing – Ströme, Linien und Gelände in der Literatur (Alexander Honold, Kay Wolfinger), Donnerstag 17–20 Uhr (zweiwöchentlich)
Das Forschungsseminar widmet sich der Beschreibung und Funktionalisierung von Landschaft, wie sie in der Literatur des 20. Jahrhunderts bis zur neusten Gegenwartsliteratur zu finden sind. Mit dieser Betrachtungsweise geht die These einher, dass es gerade Landschaften in Texten sind (einhergehend mit Phänomenen wie Flüssen und Strömen, Wegen und Linien, Ebenen und Geländen), die interpretativ mit Textlandschaften verschränkt sind.
Das heißt: Das Seminar will mit experimentierfreudigen Studierenden den Versuch vollziehen, mit Hilfe des Trends des Landscape Writing ein Tableau von Texten zu sondieren, von dessen Deutung ausgehend aber zum Phänomen der textuellen Landschaft zu gelangen. Kann man über die Darstellung, Beschreibung und Funktionalisierung von Landschaft ein Instrumentarium zur Analyse von Literatur generell entwickeln?
LITERATUR: Ein Seminarplan und ein Vorschlag für eine mögliche Textauswahl werden in der ersten Sitzung vorgestellt. – Zur ersten Lektüre eignen sich: Esther Kinskys Roman Am Fluss oder Die Holländerinnen der aktuellen Buchpreisträgerin Dorothee Elmiger.
Zur Einführung ins Themengebiet eignen sich:
Ludwig Fischer: Natur im Sinn. Naturwahrnehmung und Literatur (2019)
Frieder von Ammon und Peer Trilcke (Hgg.): Nature Writing, Sonderband Text+Kritik (2025)
LERNZIELE: Umgang mit einem aktuellen Begriff der Theoriebildung und der Literaturgeschichtsschreibung und intensive Kenntnis von Texten des 20. und 21. Jahrhunderts; Übertragungsleistung der Inhaltsebene von Erzähltexten auf textuelle Gegebenheiten als solche.
Lehrveranstaltung an der LMU München im Sommersemester 2026
Masterseminar: (Un)engagiert – Mit Literatur die Welt verändern, fünf Blocktermine im Juni und Juli 2026
Will und kann Literatur die Welt verändern? Welche Rolle spielt politisches Denken in der Literaturgeschichte vor allem aber im Schreiben der Gegenwart? Um diese Fragen kreist das Masterseminar, das den Teilnehmenden zudem exklusive Einblicke in den Literaturbetrieb und in die aktuelle Literaturproduktion geben wird.
Die ebenfalls im Zentrum stehende Frage nach dem Verhältnis von Politik und Poesie lässt sich zwar mindestens bis zu Platons Verbannung des größten Teils der Dichtung aus seinem idealen Staat zurückführen, doch stellt sie sich seit dem späten 18. Jahrhundert für die nun doppelt freie Literatur (frei von finanzieller Stabilität durch höfisches Mäzenatentum – frei in Form- und Themenwahl) noch einmal mit erhöhter Dringlichkeit. Die Folge war die kontinuierliche Ausbildung der poetologischen Pole der Autonomieästhetik und der engagierten Literatur.
An der kontrovers geführten Debatte zum möglichen Amt einer Parlamentspoetin für den deutschen Bundestag im Jahr 2022 zeigt sich, dass die Verortung der Literatur zwischen funktionslosem Kunstobjekt, subversivem Spurenelement und Waffe im politischen Kampf auch heute längst noch nicht abgeschlossen ist. Wir werden uns vor diesem Hintergrund mit verschiedenen engagierten und kunstautonomen Positionen der Literaturgeschichte auseinandersetzen und deren Aktualität am Werk der Gegenwartsschriftstellerin Theresia Enzensberger prüfen.
Das Seminar begleitet die Poetikvorlesung der dieses Jahr an die LMU eingeladenen Autorin und richtet sich insbesonders an Studierende, die sich neugierig auf dieses Format einlassen möchten.