Es geht mir zunächst um die Rahmenbedingungen. Könnten Sie mir noch einmal kurz erklären, wie zum Beispiel die Auswahl der Gäste bei „Eins zu Eins. Der Talk“ funktioniert, insbesondere bezüglich der Schriftsteller*innen, die eingeladen werden?
Laury Reichart: Grundsätzlich funktioniert die Auswahl der Gäste so, dass wir uns alle miteinander, also das Redaktionsteam, wöchentlich in einer längeren, ausführlichen Sitzung zusammenspannen und da eine Mischung aus unterschiedlichen Arten von Vorschlägen durchgehen. Es gibt einmal die Vorschläge, die wir einfach ganz persönlich machen im Sinne von: Ich bin da über etwas gestolpert, ich habe da etwas Spannendes gelesen, ich habe mich mit einer interessanten Person unterhalten, ich habe einen Tipp bekommen – das kann alles Mögliche sein. Das ist sozusagen die Komponente von Gästen, die wir gerne oft bei uns in der Sendung haben, was nicht so über die offiziellen Kanäle und Newsletter und Veröffentlichungslisten und so weiter läuft, sondern das ist dieser persönliche Moment, die persönliche Recherche, die man ganz schwer professionalisieren kann, denn da bekommt man nun einmal keine E-Mails, sondern muss mit offenen Augen durch die Welt gehen.
Und dann gibt es auf der anderen Seite aber auch ganz klar die E-Mail-Verteiler, in denen wir sind, die Verlagsgespräche, die wir haben, die Plattenfirmen, die Verlage oder die Veranstalter, die sich an uns wenden und uns sagen, dass ein neuer Film oder ein neues Buch herauskommen wird. Dann schauen wir durch, wer von den Menschen – jetzt im Fall von Büchern –, welche Autorin, welcher Autor für uns spannend ist. Dabei steht nicht so sehr das Buch für uns im Vordergrund, sondern wir sind ja ein biographisches Format. Ich habe zum Beispiel relativ regelmäßig Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern von Verlagen, die mit dem neuesten Katalog auf mich zukommen, den wir dann durchsehen, woraufhin wir natürlich über die Bücher reden. Aber für mich ist eigentlich interessant, wer dieses Buch geschrieben hat. Oder man wird auch daran erinnert, dass das sowieso eine Person ist, die wir schon länger bei uns einladen wollten, und sehen das dann als Stichwort, die gute Gelegenheit zu nutzen und darauf aktiv zu werden. Denn oft ist es der Fall, dass Autorinnen und Autoren gerade im Schreibprozess gar nicht viel Zeit haben und gar nicht so gerne in Sendungen gehen und gar nicht so gerne interviewt werden. Aber sie haben dann natürlich, sobald das Buch herauskommt, ein großes Eigeninteresse, sowohl die Autoren als auch die Verlage, dann ist es für uns leichter, so etwas zu organisieren. Aber der Anlass für uns ist im Prinzip gar nicht die Veröffentlichung eines Buches, sondern wirklich einfach der Mensch dahinter.
Sie haben im Redaktionsteam aber niemanden, der speziell nur für Literatur zuständig ist, sondern es verteilt sich ein bisschen? Sie besprechen die Interessen dann gemeinsam, oder gibt es da eine Zuständigkeit, dass jemand ganz gezielt auf Literat*innen achtet?
Wir sind ja generell Redakteure und Journalisten in einem Kultursender, das heißt, so eine gewisse Affinität für Bücher kann man unterstellen. Es gibt die einen, die dann mehr im aktuellen Literatur-Betrieb drin sind, und es gibt die anderen, die sich mehr für geschichtliche oder gesellschaftliche Themen interessieren. Das heißt, wir haben niemanden, der sich speziell um Literatur kümmert, wir haben aber den einen oder anderen Kollegen, den man wirklich immer gerne ansprechen kann. Ich weiß zum Beispiel, dass ein Kollege ungefähr jedes Buch, das erschienen ist, gelesen hat. Der Mann ist ein wandelndes Bücherlexikon. Und den kann man immer einmal fragen und um seine Einschätzung bitten und so weiter. Aber wir sind da schon generalistisch genug aufgestellt, dass eigentlich jeder etwas dazu beitragen kann.
Verstehe. Wenn Sie sich dann für einen Literaten oder eine Literatin entschieden haben, wie funktioniert die Vorbereitung beziehungsweise wie sehen überhaupt die nächsten Schritte bis hin zur Verteilung der Moderation und zur Einladung der betreffenden Person aus?
Wenn wir gesagt haben: Ach, das ist ja spannend, Autorin/Autor xy bringt demnächst ein neues Buch, hatten wir ja schon länger einmal überlegt, sie oder ihn einzuladen – dann machen wir das doch jetzt! In solchen Momenten geht es eben leichter, weil dann gerade Promotion um das Buch herum ist, was für uns immer leichter ist. Wie gesagt: Ein Veröffentlichungstermin ist für uns kein Anlass, das kann auch drei Monate später sein. Wenn wir uns also entschieden haben, jemanden einzuladen, wählen wir in der Regel den offiziellen Weg über den Verlag. Da gibt es ja Betreuer, die sich speziell um die Pressevertreter kümmern. Und dann wird relativ schnell und unkompliziert ein Kontakt hergestellt. Wir haben ein Planungsteam, wir haben jede Woche zwei Redakteure, die sich ausschließlich darum kümmern und die schreiben dann zuerst eben dem Verlag, später werden in der Regel private E-Mail-Adressen ausgetauscht. Da wird erst einmal per Mail das grundsätzliche Interesse abgeklopft. Und wenn dieses besteht, gibt es in aller Regel bei uns ein erstes Kennenlerngespräch, bei dem man einfach einmal zehn Minuten miteinander telefoniert. Da wird noch einmal geprüft, ob es demjenigen klar ist, dass es hier nicht nur um das Buch geht und auch nicht nur um die schriftstellerische Tätigkeit, sondern eigentlich um die Person selbst. Und da kann es schon oft passieren, dass die ersten sich von selbst aussieben, weil es einfach Leute gibt, die keine Lust haben, eine Stunde über sich und ihr Leben zu reden, sondern sie würden vor allem gerne nur über ihr Buch sprechen. Aber wir sind eben nicht das nächste Werbegespräch, sondern gehen einfach ein bisschen weiter. Solche Sachen werden also auditiert. Wir hören ehrlich gesagt auch mit unseren professionellen Radioohren ein bisschen hinein, ob die Person unserer Einschätzung nach gut genug erzählen kann und ob das in die Richtung geht, die wir uns vorstellen. Auch ob da überhaupt genügend Erzählenswertes vorhanden ist, denn manches weiß man ja gar nicht. Also wird schon einmal so ein bisschen auch das Biographische abgeklopft. Eine Grundregel von uns ist: Jemand hat bestenfalls drei Leben schon gelebt. Das ist für eine Stunde Talk immer eine ganz gute Voraussetzung.
Wenn das dann positiv verläuft und man sich darauf einigt, das Gespräch durchzuführen und demnächst aufzuzeichnen, dann werden noch zwei weitere Sachen ausgemacht: Es wird festgesetzt, wann die Sendung stattfinden wird und ob es eine Aufzeichnung ist, denn manchmal wird es auch live bei uns gleich ausgestrahlt. Und der andere Punkt ist, dass dem dann noch einmal ein Gespräch vorausgeht, das wir Vorgespräch nennen. Das ist dann wirklich ein ausführliches, mindestens 30-minütiges Gespräch, bei dem ein Shooter-Redakteur eine Art Portfolio zur Vorbereitung für die Moderatoren erstellt. Das wird dann manchmal noch angereichert. Wir haben nämlich auch eine Rechercheabteilung im Bayerischen Rundfunk, die dann solche Übersichten erstellt, allgemeine Informationen, Zeitungs- und Internetartikel und so weiter.
Und dann wird überlegt, mit wem passt die Autorin/der Autor am besten zusammen von unseren Leuten. Da gucken wir dann auf unterschiedliche Kriterien. Manchmal ist es ganz reizvoll, Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten zusammenzuspannen. Ein ganz konkreter Fall dazu: Eine junge bayerische Kabarettistin, die auch schon zwei Bücher geschrieben hat, Teresa Reichl, haben wir 2023 in der Sendung bei uns ganz bewusst zusammengetan mit unserem Moderator Norbert Joa, ein gestandener Moderator um die sechzig, der einfach noch einmal eine ganz andere Perspektive hat. Und dann sind da zwei, jetzt nicht wahnsinnig weit entfernte Welten aufeinandergetroffen, aber weit genug entfernt, um sich gegenseitig zu bestaunen sozusagen. So etwas ist manchmal ganz gut.
Wenn wir eine Kollegin haben unter unseren Moderatoren, die sagt, alles von der Person gelesen zu haben und absolut fit auf diesem Gebiet zu sein, dann bietet sich das auch an, weil die Vorbereitung auf so etwas natürlich schon relativ aufwendig ist. Je nachdem wie viele Bücher da vorliegen, ist das schon eine ganze Stange, die man selbst noch drauf schaffen muss.
Ja, klar! Ich habe mir jetzt viele Gespräche mit Literaten bei „Eins zu Eins“ angehört und kannte einige auch schon. Es war eines dabei, das mich stark interessiert hat: mit Martin Mo-sebach, moderiert von Anja Scheifinger. Können Sie sich erinnern, wie das zustande kam? Das ist eine sehr konkrete Frage natürlich, aber vielleicht haben Sie es ja zufällig in Erinnerung.
Darf ich kurz zurückfragen, weswegen Ihnen das in Erinnerung geblieben ist?
Ich habe nachgesehen, welche Literaten dabei sind, die ich besonders interessant finde. Mit Martin Mosebach hatte ich mich schon intensiver beschäftigt, und er ist ja auch ein kontroverser Autor und Frau Scheifinger hat das alles sehr sympathisch gelöst. Deswegen kann man an diesem Text auch sehr viel schön zeigen. Ich habe mir dann weiter angeschaut, ob Anja Scheifinger noch weitere Literat*innen interviewt hat, und da sind ja ein paar dabei. Deswegen hat mich speziell interessiert, wie es zu dieser Konstellation kam.
Sie haben auch schon mit der Frau Scheifinger gesprochen?
Ja, das werde ich. Nächste Woche ist der Termin.
Ja, super! Jetzt schaue ich einmal ganz kurz, wie das zustande gekommen ist. [Er sieht im PC nach.]
Das war, glaube ich, ziemlich bald nach Erscheinen von „Taube und Wildente“, meines Erachtens am 23. Juni 2023, weshalb es so wirkte, als ob der Roman der Grund gewesen sei, Herrn Mosebach ins Gespräch zu bringen.
Für Martin Mosebach brauchen wir erst einmal keinen besonderen Aufhänger. Der Mann hat unglaublich viel gemacht und auch viele Preise erhalten und wurde so wahnsinnig viel besprochen. – Jetzt habe ich das Gespräch gefunden.
Martin Mosebach war es wichtig, dass wir uns mit seinem Werk auseinandergesetzt haben. Ich glaube, das liegt auch daran, dass man oft in der Situation ist, wo der interviewte Autor merkt, dass die Moderatoren überhaupt nicht wissen, wer er ist oder dass sie sich mit dem Werk nicht richtig beschäftigt haben. Und gerade bei jemanden, der auch kontrovers ist, wie Martin Mosebach, ist es dann, glaube ich, auch total wichtig, dass man dann fundiert sprechen kann.
Ja, absolut!
Jetzt noch eine allgemeinere Frage: Ihnen sind sicherlich, wenn wir bei den Literaturgesprächen bleiben, Resonanz und Reaktion vom Publikum bekannt. Kommt da viel herein, dass Leute Ihnen dazu einfach schreiben?
Sie meinen so etwas wie „Ich bin über Ihre Sendung auf den Autor aufmerksam gemacht worden“?
Genau, so etwas oder Publikumsstimmen dazu.
Ja, das haben wir. Wir kriegen natürlich relativ rege Hörerpost. Ich mache einen Podcast für BR-Klassik, bei dem ich tatsächlich extrem viel backflow kriege. Das liegt einfach daran, dass dort die Hörerschaft eine andere ist. Der Podcast, den ich mache, richtet sich an junge Leute, die schon im Internet sind und da ist es ganz normal, Feedback zu geben. Das ist bei uns nicht so extrem häufig, aber wir kriegen eigentlich täglich Rückmeldungen und durchaus auch zu solchen Sendungen. Da ist alles dabei. Zum Beispiel: „Wahnsinnig spannendes Gespräch mit dem Autor; das Buch muss ich dringend einmal lesen!“ oder „Vielen Dank! Durch das Gespräch bin ich auf jemanden ganz Interessantes aufmerksam geworden“ und „Da fällt mir übrigens noch ein: Schauen Sie sich doch einmal den oder den an.“ – Also das geht dann auch gleich weiterführend einher mit Gästevorschlägen, die wir auch relativ häufig bekommen. Und was auch vorkommt, ist selbstverständlich Kritik. Das ist natürlich ein bisschen so eine Sache. – Ich weiß es jetzt nicht, wie es im Fall Martin Mosebach war, ehrlich gesagt, dass hätte ich vorbereiten müssen, dann hätte ich es vielleicht nachvollziehen können. – Es gibt immer wieder den Fall, dass Leute sagen, wie man denn Leute, die die und die Meinung vertreten, einladen könne, oder die auch fragen, warum zum Beispiel zu kontroversen Themen nicht stärker Kontra gegeben oder darüber nicht stärker diskutiert werde. Das ist bei unserem Format ein bisschen schwierig. Wir sind nicht die Sendung, bei der großartig über Einzelheiten diskutiert wird. Das ist einfach ein biographisches Gespräch. Wir scheuen nicht vor Diskussionen zurück. Unsere Moderatoren halten gerne dagegen, stellen gerne kritische Nachfragen, sie lassen sich auch nicht so schnell abschütteln. Aber es gibt auch Grenzen in der Art des Formats. Und deswegen muss ich auch manchmal einfach sagen: Wir haben dieses Thema behandelt, es wurde, auch wenn es jetzt irgendwie eine kontroverse Aussage ist, angesprochen, es wurde auch klargemacht, wie unser Moderator dazu steht. Aber irgendwann müssen wir weitergehen, sonst müsste man eine andere Sendung machen.
Also wir kriegen schon relativ viel Reaktionen darauf. Und lustigerweise, wie gesagt, ganz oft verknüpft mit: „Da fällt mir ein, ich kenne auch noch das und das, schauen Sie sich das einmal an!“
Etwas, was Sie wahrscheinlich weniger interessiert, aber wird Ihnen vielleicht verlagsseits zurückgemeldet, dass sich ein Buch danach auch mehr verkauft hat, oder spielt das dann eigentlich überhaupt keine Rolle?
Die Kontakte zu den Verlagen sind gut und eng, das muss ich echt sagen. Ich hatte in den letzten drei Wochen, glaube ich, drei Treffen mit Vertretern von Verlagen aus ganz Deutschland – morgen habe ich wieder eins! Ich glaube, dass dieses Interesse und dass die Gespräche regelmäßig stattfinden, in der Regel im Frühjahr und im Herbst, und dass sie seit Jahren stattfinden und immer wieder, das zeigt schon, dass es offensichtlich im Interesse der Verlage ist, dass auch die Autoren bei uns behandelt werden – die Bücher kommen bei uns ja gar nicht so sehr vor. Wir kriegen keine Zahlen, wie sich das Buch verkauft hat. Was wir bekommen, ist hin und wieder eine Dankesmail tatsächlich von Verlagen oder von Verantwortlichen aus dem Literaturbetrieb, die dann schreiben: „Total unverhoffter toller Erfolg, auch dank Ihrer Unterstützung.“ Ich muss allerdings dazusagen, ich freue mich darüber, aber ich sehe uns nicht als verlängerten Arm der Promotion eines Verlages. Dass ist schön, dass sich dadurch ein Buch so schön verkauft hat, aber wir laden Leute nicht ein, um einen Verlag oder einen Autor zu unterstützen. Deswegen habe ich auch vorhin betont: So ein neuer Verlagskatalog ist eine tolle Inspirationsquelle, ist eine gute Informationsquelle: Was passiert? Was kommt heraus? Worüber reden die Leute? Und das benutzen wir auch gerne. Aber am Ende des Tages geht es uns nicht um Veröffentlichungsdaten und den Verkaufserfolg. Davon müssen wir uns auch frei machen, das ist nicht unsere Baustelle.
Ja, das verstehe ich. Was mich noch interessieren würde: Als wir das letzte Mal miteinander gesprochen haben, haben Sie ja auch betont, dass „Eins zu Eins. Der Talk“ eigentlich kein richtiger Podcast sei. Beschäftigt Sie diese Frage in Differenz zu, sage ich mal, unabhängigen Literaturpodcasts, die ja aktuell auch eigentlich eine Welle sind?
Das ist tatsächlich ein ganz spannendes Feld und auch ein großes, das mich momentan sehr intensiv beschäftigt. „Eins zu Eins. Der Talk“ – ohne zu sehr aus dem Nähkästchen zu plaudern – ist eine sehr erfolgreiche Radiosendung. Wir haben wirklich immer wieder erfreuliche Zahlen und sind seit mittlerweile 17 Jahren gut etabliert. Wir sind allerdings in erster Linie eine Radiosendung und kein Podcast. Und das unterscheidet uns vom Podcast, weil Radiosendungen einfach anderen Gesetzmäßigkeiten folgen wie Podcasts. Was wir momentan machen, ist, dass wir eine Radiosendung produzieren, die wir dann mit ein paar Schnitten und natürlich mit den Regeln, die man befolgen muss, wenn man so etwas als Podcast publiziert, veröffentlichen. Aber wir denken das Produkt nicht von der Podcast-Seite her. Das unterscheidet uns tatsächlich von rein als Podcast konzipierten Formaten. Und meine Aufgabe ist es momentan, zu versuchen, so ein bisschen beide Welten zusammenzubringen. Wir haben mehrere hunderttausend Hörer und Hörerinnen auf der Podcast-Seite pro Monat.
Wahnsinn, ja!
Aber wir haben da schon auch noch Potential, zumindest sehe ich da schon noch ziemlich großes Potential. Aber das kann man nur ausschöpfen, wenn man versucht, da noch ein bisschen mehr den Podcast zu regeln. Das ist aber gar nicht so leicht, das beides zusammen.
Verstehe. Großartig, das reicht mir schon an Informationen. Vielen Dank für Ihre Auskünfte!
Sehr gerne, jederzeit! Wie gesagt, gerade diese Podcast-Geschichte ist momentan ganz interessant. Zum Beispiel werden Literatur-Podcasts in der Regel von viel weniger Leuten moderiert, von einem oder zwei Hosts. Oder da dreht es sich dann wirklich nur um eine bestimmte Gattung oder um ein bestimmtes Buch. Das sind wir nicht. Aber was Podcasts zum Beispiel ganz deutlich tun, ist, ein ganz klares Versprechen abzugeben, was sie darin machen. Die Leute wollen heutzutage, weil ihr Zeitbudget von so vielen Leuten beansprucht wird, genau wissen, was sie erwartet und am besten genau wissen, wer das auch heute mit einem bespricht. Sie gewöhnen sich da gerne an den jeweiligen Moderator. Im Radio ist das ein bisschen anders. Beim Podcast muss man eigentlich in zehn bis 15 Sekunden klargemacht haben, wo man hinwill und was passieren wird in den 20 bis 40 Minuten, sonst schalten sie nämlich ganz schnell um. Diese Langeweile, so nenne ich das einmal flapsig – es ist eigentlich keine Langeweile –, darf nicht aufkommen.
Verstehe, sonst klickt man weiter.
Sofort, weil die Konkurrenz ist brutal und der Algorithmus ist auch sehr erbarmungslos. Das heißt, man muss sich nicht nur nach den Hörgewohnheiten von Menschen richten, sondern man muss auch Tricks anwenden oder bestimmte Mechanismen bedienen, um dem Algorithmus das Futter zu geben, das er braucht, dass er einen wieder nach oben spielt. Das sind dann schon nochmal ganz andere Regeln.
Dieses Gespräch wurde am 10. Juni 2024 geführt.