Christlicher Widerstand – Literatur gegen den Nationalsozialismus

Proseminar, Wintersemester 2011/2012

Die christlichen Autoren, deren Ideen sich der französischen Bewegung des Renouveau Catholique verwandt fühlen, sehen sich im Deutschland der 30er Jahre in zunehmendem Maße einem heraufziehenden Terrorregime entgegen gesetzt. Vielen von ihnen bleibt als einzige Möglichkeit des Widerstandes nur die innere Immigration und – trotz häufigem Schreibverbot – die schwache Möglichkeit, in ihren Texten Unrecht anzuprangern. Wegweisend ist Joseph Bernharts „Hochland“-Beitrag Hodie, in dem er schreibt: „Die prophetische Aufnahme der Geschichte ist die dem Christen einzig gemäße. Sehet zu, dass da keiner euch verführt durch die Weltanschauung und hohlen Trug.“
Dieses Seminar will versuchen, ausgewählte Linien des literarisch-christlichen Widerstandes nachzuzeichnen, Texte zu dechiffrieren und zu interpretieren, sie an die soziohistorischen Gegebenheiten zurückzukoppeln, aber auch ihrer Zeit zu entheben und danach zu fragen, wo in diesen Texten auf abstrakter Ebene Widerstand gegen Zwangsstrukturen generell angelegt ist. Wir lesen unter anderem Texte von Werner Bergengruen, Theodor Haecker und Gertrud von le Fort.
Aufgrund der speziellen Arbeitsweise in einem Blockseminar ist bei den Teilnehmenden zwingende Voraussetzung, dass sie sich unbefangen den Fragestellungen dieses Seminars nähern, und die Bereitschaft haben, ausgewählte Texte einer intensiven Lektüre zu unterziehen.

Absolute Form – Der Schriftsteller Martin Mosebach

Proseminar, Sommersemester 2011

Der deutsche Schriftsteller Martin Mosebach konnte im vergangenen Bücherherbst einen großen Erfolg landen. Sein Roman Was davor geschah wurde breit im Feuilleton besprochen und stand auf der Auswahlliste für den deutschen Buchpreis. Vor allem aber mit der Verleihung des Büchnerpreises 2007 begann verstärkt eine Rezeptionswelle seines Werkes.
Aus diesem Anlass auch in Anbetracht der stilistischen Qualitäten und der programmatischen Stoffwahl seiner Erzähltexte möchte das Seminar einen Großüberblick vor allem über die Romane Martin Mosebachs geben. Wir werden uns im Besonderen mit der spezifischen Verschränkung des inhaltlichen Erzählstoffs mit der Textform und der Gestaltungsweise beschäftigen und durch genaue philologische Analyse ausgewählte Textstellen beleuchten.
In Zeiten des Methodenpluralismus, der verschwimmenden Fachgrenzen und der Tendenz zu diffusen Gegenständen fordert das Werk Mosebachs zu Klarheit und Genauigkeit auf. Wie die Grundpfeiler seines Schreibens setzt er selbst auf Tradition statt Moderne, auf Sakrales statt Weltliches und auf Wahrheit statt auf Beliebigkeit. Da die Wirkungsweise und die Ästhetik Mosebachs durchaus als ‚umstritten‘ gelten kann, ist bei den Teilnehmenden eine generelle Offenheit erforderlich.
„Ich vermute auch, daß ein Unvorbereiteter, der den alten Ritus zum ersten Mal erlebt, einigermaßen verdutzt davorstehen wird. Latein mag er nicht verstehen, das Wichtigste wird ohnehin geflüstert, das Priestergewand kann zwar auffallend sein, aber von dem, was der Priester tut, sieht die Gemeinde nichts, er verdeckt es mit seinem Körper“, schreibt er in seinem Essayband Häresie der Formlosigkeit. Dies soll auch für unsere wissenschaftliche Untersuchung Warnung, Maßstab und Fahrplan sein.

Robert Walsers Literatursystem

Proseminar, Wintersemester 2010/2011

Robert Walser (1878-1956) erfuhr im Laufe der letzten Jahrzehnte eine große Wiederentdeckung. Viele Rollen schrieb man ihm zu: die des freischaffenden Sonderlings, der nicht teilnimmt an den Konventionen seiner Umwelt; die des am Rande des Wahnsinns stehenden Einsamen, dessen Leben als Anekdotenfundus und Konstruktionsfläche für Leserfantasien dient. Das Seminar will sich zum Ziel setzen, durch das Gesamtwerk Walsers zu führen und den Fokus schlaglichtartig auf Texte der einzelnen Schaffensperioden zu legen. Hierbei wird es um den Akt des Schreibens selbst gehen, der bei Walser immer wieder thematisiert wird und für die Schreibgeneseforschung und editionstheoretische Überlegungen fruchtbar gemacht werden kann. Wir werden außerdem sehen, dass die Motive von gesellschaftlicher Isolation, Verkindlichung, Verkleinerung und Verschwinden das gesamte Œuvre durchziehen. Schließlich soll versucht werden, dem Geheimnis von Walsers mit Bleistift verfertigten, millimetergroßen Mikrogramm-Schriftzügen auf die Spur zu kommen.

Literatur: Einen ersten Einblick bietet: Diana Schilling: Robert Walser, Reinbek: rororo 2007.
Zu den ersten Sitzungen lesen Sie bitte: Robert Walser: Fritz Kochers Aufsätze, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2007.