Lektürekurs zum Masterseminar „Karten, Graphen, Kurven“

Wintersemester 2016/2017

Neben und zwischen den großen medialen Formaten von Schrift und Bild arbeiten in der Neuzeit andere, hybridere Aufzeichnungs-, Speicher- und Darstellungsformate an den Sachen des Wissens mit: Kurven, Graphien und Graphiken aller Art, Karten. Sie, aber ebenso die Aufzeichnungsdispositive, die mit diesen Medien einhergehen, erheben nicht nur den Anspruch auf die präzise Erfassung, sondern auch auf eine persuasive Präsentation von Sachverhalten, denen die schreibende oder zeichnende Hand nicht mehr nachkäme, denen das Erkenntnispotential der Sprache und ihrer Begriffe nicht mehr gewachsen seien.

Mit der ›méthode graphique‹ – so der Name, den das ausgehende 19. Jahrhundert diesen Formaten gegeben hat – zeichne sich nichts geringeres ab als eine ›Sprache der Natur selbst‹, biete sich damit die Chance eines direkten, unverstellten Zugriffs auf die Phänomene. Solche Wirklichkeitsemphase ist kein Zufall: Auf symptomatische und irritierende Weise teilen viele dieser Medien den Anspruch, kein Medium sein bzw. sich als Medium zum Verschwinden bringen zu wollen. Je aufwendiger die instrumentellen und apparativen Vorkehrungen medialer Wissensproduktion werden, desto dringlicher scheint das Transparenzversprechen für die Produkte dieser Aufzeichnungs- und Darstellungsverfahren.

Der Lektürekurs begleitet das dazugehörige Hauptseminar von Prof. Dr. Stephan Kammer, analysiert die dort besprochenen epistemischen Potentiale dieser Formate und bereitet auf die jeweilige Sitzung vor.