Absolute Form – Der Schriftsteller Martin Mosebach

Proseminar, Sommersemester 2011

Der deutsche Schriftsteller Martin Mosebach konnte im vergangenen Bücherherbst einen großen Erfolg landen. Sein Roman Was davor geschah wurde breit im Feuilleton besprochen und stand auf der Auswahlliste für den deutschen Buchpreis. Vor allem aber mit der Verleihung des Büchnerpreises 2007 begann verstärkt eine Rezeptionswelle seines Werkes.
Aus diesem Anlass auch in Anbetracht der stilistischen Qualitäten und der programmatischen Stoffwahl seiner Erzähltexte möchte das Seminar einen Großüberblick vor allem über die Romane Martin Mosebachs geben. Wir werden uns im Besonderen mit der spezifischen Verschränkung des inhaltlichen Erzählstoffs mit der Textform und der Gestaltungsweise beschäftigen und durch genaue philologische Analyse ausgewählte Textstellen beleuchten.
In Zeiten des Methodenpluralismus, der verschwimmenden Fachgrenzen und der Tendenz zu diffusen Gegenständen fordert das Werk Mosebachs zu Klarheit und Genauigkeit auf. Wie die Grundpfeiler seines Schreibens setzt er selbst auf Tradition statt Moderne, auf Sakrales statt Weltliches und auf Wahrheit statt auf Beliebigkeit. Da die Wirkungsweise und die Ästhetik Mosebachs durchaus als ‚umstritten‘ gelten kann, ist bei den Teilnehmenden eine generelle Offenheit erforderlich.
„Ich vermute auch, daß ein Unvorbereiteter, der den alten Ritus zum ersten Mal erlebt, einigermaßen verdutzt davorstehen wird. Latein mag er nicht verstehen, das Wichtigste wird ohnehin geflüstert, das Priestergewand kann zwar auffallend sein, aber von dem, was der Priester tut, sieht die Gemeinde nichts, er verdeckt es mit seinem Körper“, schreibt er in seinem Essayband Häresie der Formlosigkeit. Dies soll auch für unsere wissenschaftliche Untersuchung Warnung, Maßstab und Fahrplan sein.