Robert Walsers Literatursystem

Proseminar, Wintersemester 2010/2011

Robert Walser (1878-1956) erfuhr im Laufe der letzten Jahrzehnte eine große Wiederentdeckung. Viele Rollen schrieb man ihm zu: die des freischaffenden Sonderlings, der nicht teilnimmt an den Konventionen seiner Umwelt; die des am Rande des Wahnsinns stehenden Einsamen, dessen Leben als Anekdotenfundus und Konstruktionsfläche für Leserfantasien dient. Das Seminar will sich zum Ziel setzen, durch das Gesamtwerk Walsers zu führen und den Fokus schlaglichtartig auf Texte der einzelnen Schaffensperioden zu legen. Hierbei wird es um den Akt des Schreibens selbst gehen, der bei Walser immer wieder thematisiert wird und für die Schreibgeneseforschung und editionstheoretische Überlegungen fruchtbar gemacht werden kann. Wir werden außerdem sehen, dass die Motive von gesellschaftlicher Isolation, Verkindlichung, Verkleinerung und Verschwinden das gesamte Œuvre durchziehen. Schließlich soll versucht werden, dem Geheimnis von Walsers mit Bleistift verfertigten, millimetergroßen Mikrogramm-Schriftzügen auf die Spur zu kommen.

Literatur: Einen ersten Einblick bietet: Diana Schilling: Robert Walser, Reinbek: rororo 2007.
Zu den ersten Sitzungen lesen Sie bitte: Robert Walser: Fritz Kochers Aufsätze, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2007.