»Jenseits-Zeit & Geistes Reich«

am 25. September 2019 in Saarbrücken (26. Deutscher Germanistentag)

Panel im Themenbereich 1: Theorien und Konzepte von Zeit

Literatur und Okkultismus besitzen eine große Affinität füreinander. Beide Systeme arbeiten auf ihre Weise an einer Verzauberung der Welten, setzen das Geheimnis wieder in sein Recht und artikulieren ein besonderes Verhältnis zur Zeitlichkeit.

Gerade durch die Geisterseherei und die Herstellung von Jenseitskontakten in literarischen und jenseits von literarischen Texten soll eine Überschreitung und Nivellierung der zeitlichen Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits, aber auch durch Anrufung der Verstorbenen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stattfinden.

Demonstriert wird diese Verschränkung von Jenseitszeit, Geisterreich und dem Begehren der Lebenden unter Analyse der temporalen Ebenen an Beispielen aus dem Schauerroman bis hin zu Ekstatikerinnen, Okkultisten und den ersten Séance-Sitzungen. Das Besondere am Okkultismus ist daher die Tatsache einer ihm speziellen Zeit und der Umstand, die den Menschen gewohnte Zeit auszuhebeln und zu transzendieren.

 

Aufbau

Kay Wolfinger (Ludwig-Maximilians-Universität München): Das okkulte Medium und die Aufhebung der Zeit. Zur Einführung in die Thematik

Geist und Spiritismus

Anne Lorenz (Digitale Akademie, Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz): Avantgarde und Geistesgegenwart. Spiritistische Elemente im Künstlerkreis Der Sturm

Korbinian Lindel (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg): Transzendentalphotographie 1900 / 2000. Dokumentationen der Geisterwelt in den Materialisationsphänomenen von Albert von Schrenck-Notzing und M. Night Shyamalans The Sixth Sense 

Medialitäten

Vera Kaulbarsch (Ludwig-Maximilians-Universität München): »Einmal hatte ich in dieser Zeit das Erlebnis, tot zu sein.« Jenseitige Zeitlichkeiten bei Carl Zuckmayer und Thomas Mann

Libor Marek (Univerzita Tomáše Bati ve Zlíně): Susanna Schmida-Wöllersdorfer: Eine vergessene Wiener Esoterikerin

Peilin Li (Westfälische Wilhelms-Universität Münster): Totenreich als Idylle des Heute. Die Zeitcollage in Monika Marons Zwischenspiel (2014)

Unerzählt. Die Künstlerfreundschaft von W. G. Sebald und Jan Peter Tripp

am 11. Oktober 2019 in Oberstdorf

Wilhelm Geierstanger und Kay Wolfinger stellen gemeinsam das Text-Bild-Projekt Unerzählt vor. Es entstand noch vor dem Tod des Schriftstellers W.G. Sebald im Jahr 2001, konnte aber erst posthum als Buch veröffentlicht werden. Unerzählt ist eine Kombination aus kurzen Gedichtepigrammen Sebalds, zu denen sein Malerfreund Jan Peter Tripp Radierungen von Augenpaaren angefertigt hat, die zu Menschen gehören, die sowohl für Sebald als auch für Tripp von kulturgeschichtlicher Bedeutung waren.

In einem Podiumsgespräch und einer Auswahllesung werden Geierstanger und Wolfinger die Bedeutung dieses Kunstprojektes erklären und anschließend ausgewählte Exponate zeigen, die seit einigen Jahren im Gertrud-von-le-Fort-Gymnasium in Oberstdorf zu sehen sind.

Lassen Sie sich also durch Sebalds und Tripps Bild-Text-Labyrinthe führen und sich demonstrieren, dass trotz der Schwere und Düsternis von Sebalds entfalteten Texttableaus eine Verzauberung aufscheint, die wesentlich mit der Faszinationskraft von Kunst und Literatur zu tun hat.

Freitag, 11. Oktober 2019, um 20 Uhr
Oberstdorf Bibliothek im Gertrud-von-le-Fort Gymnasium
https://www.villa-jauss.de/veranstaltungen/